Was macht eine Eventlocation barrierefrei?
Barrierefrei heißt, dass Gäste im Rollstuhl oder mit Rollator jeden Bereich ohne Stufe erreichen und dort genug Platz zum Wenden haben. Dazu gehören eine passende Toilette und Hilfen für Gäste, die schlecht hören. Barrierefreiheit gehört deshalb zu den ersten Fragen, wenn Sie eine Eventlocation finden wollen.
Die Maße dafür stehen in der Norm DIN 18040-1 für öffentlich zugängliche Gebäude. Verbindlich wird sie, wenn die Bauordnung eines Landes Barrierefreiheit verlangt. In Nordrhein-Westfalen gilt das für Gebäude, die jeder besuchen kann, ausdrücklich auch für Gaststätten, Hotels und Freizeitstätten.
Ein altes Haus kann trotzdem Stufen haben. Die Bauordnung von Nordrhein-Westfalen lässt Ausnahmen zu, wenn schwieriges Gelände oder ein vorhandener Bau die Anforderungen nur mit unverhältnismäßigem Aufwand erlaubt. Prüfen Sie deshalb selbst nach, statt sich auf das Wort barrierefrei im Prospekt zu verlassen.
Welche Maße prüfen Sie bei der Besichtigung?
Nehmen Sie ein Maßband mit. Die lichte Breite einer Tür ist das, was zwischen den Seiten des Türrahmens frei bleibt, nicht die Breite des Türblatts.
Die Maße reichen von 46 Zentimetern Sitzhöhe der Toilette bis 600 Zentimeter, so lang darf ein Rampenstück ohne Podest sein. Türen brauchen 90 Zentimeter lichte Breite, ein Parkplatz 350 Zentimeter Breite.
| Was Sie messen | Mindestmaß | Worauf Sie achten |
|---|---|---|
| Tür, lichte Breite | 90 Zentimeter | Gemessen zwischen den Seiten des Türrahmens |
| Tür, lichte Höhe | 205 Zentimeter | Türdrücker in 85 Zentimetern Höhe |
| Rampe, Steigung | höchstens 6 Prozent | Keine seitliche Neigung, Handläufe auf beiden Seiten in 85 bis 90 Zentimetern Höhe |
| Rampe, Breite und Länge | 120 Zentimeter breit, höchstens 600 Zentimeter am Stück | Danach ein Podest von 150 Zentimetern Länge |
| Fläche zum Wenden | 150 mal 150 Zentimeter | Am Anfang und Ende jeder Rampe und vor der Toilette |
| Toilette | Sitzhöhe 46 bis 48 Zentimeter | Neben dem Becken auf beiden Seiten 90 Zentimeter breit und 70 Zentimeter tief frei, Klappgriffe auf beiden Seiten |
| Rollstuhlplatz im Saal | 90 mal 130 Zentimeter | Dahinter 150 Zentimeter frei, daneben ein Platz für die Begleitung |
| Parkplatz | 350 mal 500 Zentimeter | Nah am barrierefreien Eingang und gekennzeichnet |
Die übrigen Maße für Fluchtwege und Stühle stehen in der Checkliste für die Besichtigung einer Eventlocation.
Wie viele Rollstuhlplätze braucht der Saal?
Feste Zahlen gibt es nur für Säle, die für mehr als 200 Gäste zugelassen sind. Dann gilt die Sicherheitsvorschrift für Säle des jeweiligen Landes. In Nordrhein-Westfalen müssen bei Reihenbestuhlung mindestens 1 Prozent der Plätze für Rollstühle frei bleiben, mindestens aber zwei. Jedem dieser Plätze ist ein Platz für eine Begleitperson zugeordnet.
Die Quote der Rollstuhlplätze liegt in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Baden-Württemberg bei 1 Prozent, in Brandenburg für den Teil über 5.000 Plätzen bei 0,5 Prozent. Bei den Toiletten unterscheiden sich die Länder deutlich. Barrierefreie Parkplätze müssen in allen drei Ländern mindestens halb so viele sein wie Rollstuhlplätze.
| Land | Rollstuhlplätze | Barrierefreie Toiletten | Barrierefreie Parkplätze |
|---|---|---|---|
| Nordrhein-Westfalen | bei Stuhlreihen mindestens 1 Prozent, mindestens 2, mit Platz für die Begleitung | eine ausreichende Zahl | mindestens halb so viele wie Rollstuhlplätze |
| Brandenburg | bei Stuhlreihen mindestens 1 Prozent bis 5.000 Plätze, darüber 0,5 Prozent, mindestens 2 | mindestens jede zwölfte vorgeschriebene Toilette | mindestens halb so viele wie Rollstuhlplätze |
| Baden-Württemberg | mindestens 1 Prozent, mindestens 2, mit Platz für die Begleitung | mindestens eine je 10 Rollstuhlplätze | mindestens halb so viele wie Rollstuhlplätze |
Bei 450 Plätzen in Stuhlreihen sind das in Nordrhein-Westfalen mindestens 5 Rollstuhlplätze und 3 barrierefreie Parkplätze. Für kleinere Säle gelten diese Zahlen nicht. Dort zählt, ob der Rollstuhlplatz tatsächlich frei bleibt und gute Sicht auf Bühne oder Brautpaar bietet.
Hören alle Gäste die Reden?
Für Gäste mit Hörgerät verlangt die Norm in Sälen, Seminar- und Schulungsräumen Hilfen, damit sie Gesprochenes verstehen. Hat der Saal eine Lautsprecheranlage, muss es zusätzlich eine eigene Übertragung für Schwerhörige geben, die den ganzen Zuhörerbereich erreicht.
Meist am günstigsten ist eine induktive Höranlage. Das ist eine Drahtschleife, die fest im Raum verlegt ist und das Gesprochene direkt an Hörgeräte sendet. Ein Schild mit dem Buchstaben T weist auf sie hin. Kommt ein Gebärdensprachdolmetscher, braucht er einen gut sichtbaren und eigens beleuchteten Platz.
Den Weg vom Parkplatz bis zum Platz prüfen
Am meisten erfahren Sie, wenn Sie den Weg mit dem Gast abfahren, der einen Rollstuhl nutzt. Geht das nicht, schieben Sie einen geliehenen Rollstuhl selbst.
Parkplatz
Ein barrierefreier Parkplatz ist 350 Zentimeter breit, gekennzeichnet und liegt nah am barrierefreien Eingang.
Weg zum Eingang
Der Weg hat keine Stufe. Rampen steigen höchstens 6 Prozent und haben am Anfang und Ende eine Fläche von 150 mal 150 Zentimetern.
Eingangstür
Die Tür lässt 90 Zentimeter frei. Drücker oder Taster sitzen in 85 Zentimetern Höhe.
Saal
Der Rollstuhlplatz ist frei, bietet gute Sicht und hat einen Platz für die Begleitung daneben.
Toilette
Vor dem Becken bleiben 150 mal 150 Zentimeter frei, die Sitzhöhe liegt bei 46 bis 48 Zentimetern.
Notfall
Fragen Sie, wie Gäste im Rollstuhl bei einem Brand hinauskommen und wer ihnen dabei hilft.
Was lassen Sie sich schriftlich bestätigen?
Halten Sie die Antworten der Location in einer E-Mail fest. Diese sechs Punkte gehören dazu.
- Die Zahl der Rollstuhlplätze bei der Bestuhlung, die Sie gebucht haben.
- Wo die barrierefreie Toilette liegt und ob sie während der ganzen Feier offen ist.
- Zahl und Lage der barrierefreien Parkplätze.
- Ob eine Höranlage den ganzen Saal erreicht und am Mikrofon angeschlossen ist.
- Ob ein Aufzug alle Räume verbindet, in denen gefeiert wird.
- Bei einem Festzelt für mehr als 200 Gäste, ob mindestens ein Ausgang für Rollstühle geeignet ist.
Übernachten Gäste im Rollstuhl, fragen Sie früh nach passenden Zimmern. In Nordrhein-Westfalen gilt dafür eine Bauvorschrift für Hotels mit mehr als 12 Betten. Mindestens 10 Prozent der Betten müssen in barrierefreien Zimmern stehen, die eingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar sind.
Häufige Fragen
Wie breit muss eine Tür in einer barrierefreien Eventlocation sein?
Eine Tür in einer barrierefreien Eventlocation braucht mindestens 90 Zentimeter lichte Breite, gemessen zwischen den Seiten des Türrahmens. Die lichte Höhe beträgt mindestens 205 Zentimeter. Drücker sitzen in 85 Zentimetern Höhe.
Wie steil darf eine Rampe für Rollstuhlfahrer sein?
Eine Rampe für Rollstuhlfahrer darf höchstens 6 Prozent steigen und keine seitliche Neigung haben. Sie ist mindestens 120 Zentimeter breit, und nach höchstens 600 Zentimetern folgt ein Podest. Am Anfang und Ende braucht sie eine freie Fläche von 150 mal 150 Zentimetern.
Wie viele Rollstuhlplätze braucht ein Festsaal mit Stuhlreihen?
Ein Festsaal mit Stuhlreihen für mehr als 200 Gäste braucht in Nordrhein-Westfalen Rollstuhlplätze für mindestens 1 Prozent der Plätze, mindestens zwei. Zu jedem gehört ein Platz für die Begleitung. Für kleinere Säle schreibt die Vorschrift keine Zahl vor.
Was ist eine induktive Höranlage in einer Eventlocation?
Eine induktive Höranlage ist eine fest verlegte Drahtschleife, die Gesprochenes direkt an Hörgeräte überträgt. Hat ein Saal eine Lautsprecheranlage, verlangt die Norm für barrierefreies Bauen eine eigene Übertragung für Schwerhörige. Die induktive Anlage gilt dafür meist als günstigste Lösung.
Wie groß muss eine barrierefreie Toilette in einer Eventlocation sein?
Vor dem Becken einer barrierefreien Toilette muss eine Fläche von 150 mal 150 Zentimetern frei bleiben. Neben dem Becken braucht es auf beiden Seiten 90 Zentimeter Breite und 70 Zentimeter Tiefe. Die Sitzhöhe liegt bei 46 bis 48 Zentimetern.
